Aus dem Sanella-Album Australien Neuseeland

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Seite 63

Wenn in der einen Ecke ein Stamm besiegt worden war, dann flammte der Aufstand in einer anderen Gegend wieder auf. Aber schließlich siegten die Weißen. Heute sind die Maoris neuseeländische Bürger, wie ich auch. Durch vier Abgeordnete sind sie im Parlament vertreten. Ihre Bevölkerungszahl ist in den letzten Jahrzehnten wieder angestiegen; heute leben rund 117 000 Maoris mit etwa 1,8 Millionen Weißen friedlich nebeneinander. - Dieses Gebiet hier - rund um den Rotorua=See - wird fast nur von Maoris bewohnt. Und hier haben sie sich auch in ihren Pahs viele ihrer ursprünglichen Sitten bewahrt."

Ein See verschwindet

Am nächsten Morgen fahren wir weiter. Wir sind hier im Gebiet der größten Geisers Neuseelands. Überall, so weit wir sehen können, sprudeln heiße Quellen, schießen Dampf= und Wasserfontänen empor, brodeln Schlammlöcher. Aus Felsspalten und Erdrissen steigen stinkende Schwefeldämpfe. In einem erloschenen Vulkankrater zeigt uns ein Maori einen harmlos aussehenden Kieseltrichter. Unser Führer steigt sogar in die Vertiefung hinein und sagt: "Dieses hier ist der Waimangu=Geiser. Er war die größte Springquelle der Welt. Über 100 Meter hoch schleuderte er tintenschwarzes, schlammiges Wasser.

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Bei manchen Ausbrüchen stieg die Wassersäule sogar auf 300 und 400 Meter! 1905 hörten die Auswürfe plötzlich auf. Einige Jahre noch beobachtete man den Geiser sorgfältig. Da er sich aber in der ganzen Zeit nicht mehr rührte, galt er als erloschen. Das Kraterloch füllte sich mit Geröll und Schlacke, und Farne und Moos überwucherten den Trichter. Und dann plötzlich - 12 Jahre später - riß der Boden auf, verschluckte vier Menschen, die sich gerade den toten Geiser ansehen wollten, und eine gewaltige Säule aus Gesteinsbrocken und Schlamm schoß in den Himmel. Seitdem ist der Waimunga wieder still..." "Wir sind auch vier Leute", meint Klaus. "Wollten wir nicht noch zum kochenden See fahren?" Diese Gegend ist unheimlich. Ich habe das Gefühl, als gingen wir über eine hauchdünne Kruste, unter der es kocht und glüht. Unser Maori führt uns zu einem herrlich blauen See. Das Wasser ist glasklar und angenehm warm. "Das ist kochender See!" erzählt uns der Führer und sieht uns erwartungsvoll an. ",Kochen' ist gut!" lache ich. "Hier hätten wir unsere Kartoffeln aber nicht gar bekommen!"

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Freddy hat in der Zwischenzeit mit zwei Maoris verhandelt, die an einem kleinen Steg bei einem Boot hocken. Er winkt uns heran, und wir steigen mit den beiden Maoris ein. - Klaus hat die Hand im Wasser, um festzustellen, ob es wärmer wird. Schon nach wenigen Minuten zieht er sie heraus. Sie ist schon ziemlich rot. "Jetzt wird's wirklich heiß!" staunt er. Donnerwetter! Das Wasser beginnt richtig - wie in einem Suppentopf - zu wallen! Blasen steigen auf, und milchiger Dampf liegt über der Oberfläche. Das Boot schaukelt auf den Wellen des siedenden Wassers. Auch der Eisenblechboden des Bootes unter den Fußbrettern wird heiß. "Und dieser See war noch vor einigen Jahren kalt!" sagt Freddy. "Ich war damals mit meinen Eltern hier, und Vater hat ein paar hübsche Fische aus dem See herausgezogen. Später brach irgendwo auf dem Grund ein Krater auf, und Dampf oder kochendes Wasser erhitzten in wenigen Monaten den See." Als wir am Nachmittag am Ufer des Rotomahana stehen, eines kleinen Sees am Fuße des Tarawera=Vulkans, erzählt Freddy:

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